150 Jahre Sängervereinigung Birkenfeld e.V. – Ein erzählerisches Portrait
Gründung und frühe Ursprünge (1856 und davor)
Mitte des 19. Jahrhunderts regte sich in Birkenfeld der Wunsch nach gemeinsamem Singen. Bereits vor 1856 existierte kurzfristig eine „Birkenfelder Liedertafel“, die sogar anlässlich eines Besuchs des Großherzogs einige Lieder vortrug. Diese erste Liedertafel gedieh zwar zunächst prächtig, zerfiel dann jedoch und löste sich auf. Erst im Oktober 1854 trat ein Chor in Birkenfeld wieder öffentlich auf – ein Zeichen für den ungebrochenen Willen der Bürger, den Chorgesang zu pflegen. Schließlich war es am 9. Januar 1856 soweit: Der Lehrer Friedrich Bäuchle versammelte alle Freunde des Gesangs und gründete den Verein „Liederkranz Birkenfeld“. Dieser neue Chor sollte allen „unbescholtenen Jünglingen und Mädchen“ offenstehen – die Satzung betonte ausdrücklich, sowohl Kirchengesang als auch Volksgesang pflegen zu wollen. Bereits im Gründungsjahr 1856 veranstaltete der junge Verein zwei Konzerte: Das erste am Karfreitag und ein weiteres am 25. Mai im sogenannten Goldschmidt’schen Saal (dem heutigen Gebäude der Bäckerei Zwetsch). Die Resonanz war groß, und der Chorgesang fasste dauerhaft Fuß im kulturellen Leben Birkenfelds.
Doch das 19. Jahrhundert verlief auch für den Liederkranz nicht ohne Schwierigkeiten. Phasen reger Aktivität wurden von Zeiten des Niedergangs abgelöst. Nach vielen „Auf und Ab“ kam es 1875 zu einer Neugründung der Birkenfelder Liedertafel. Erster Vorsitzender dieses wiederbelebten Chores wurde der Buchdrucker Karl Moritz. In den folgenden Jahrzehnten existierten in Birkenfeld offenbar zwei Gesangvereine parallel: der alte Liederkranz und die neue Liedertafel. Häufig traten beide Chöre gemeinsam bei Veranstaltungen auf – trotz gelegentlicher Rivalitäten. Besonders an den vaterländischen Gedenktagen erwiesen sich beide Vereine als verlässliche Kulturträger, indem sie die Feierstunden musikalisch umrahmten. Auch eigene Konzerte wurden regelmäßig veranstaltet. Ein Höhepunkt jener Epoche war das große Gesangswettstreit-Fest im Juni 1906: Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des organisierten Chorgesangs in Birkenfeld richteten Liederkranz und Liedertafel gemeinsam einen Wettbewerb mit zahlreichen Chören des Sängerbundes Mosel-Saar-Nahe aus. Dieses mehrtägige Freundschaftssingen im Juni 1906 zeigte, wie fest verankert der Chorgesang bereits vor über 100 Jahren in der Stadt war.
Umbrüche in zwei Weltkriegen und Neuanfang (1914–1950)
Der Erste Weltkrieg (1914–1918) brachte das bis dahin blühende Vereinsleben jäh zum Erliegen. Die beiden Birkenfelder Gesangvereine verloren im Krieg viele ihrer aktiven Sänger – ein Aderlass, von dem sie sich nicht erholten. Nach 1918 stellten sowohl Liedertafel als auch Liederkranz ihre Tätigkeit ein. Doch schon wenige Jahre später lebte die Chorgemeinschaft erneut auf: 1920 wurde in Birkenfeld ein neuer Männergesangverein (MGV) Birkenfeld gegründet, und 1922 folgte die Gründung des Männergesangvereins „Sängerlust“. Interessanterweise spiegelten diese beiden Vereine die gesellschaftliche Struktur der Weimarer Zeit wider: Während im MGV Birkenfeld vor allem Beamte und Angestellte sangen, war die Arbeiterschaft in der „Sängerlust“ musikalisch beheimatet. Beide Chöre zählten um die 25–30 aktive Sänger und konnten somit an die Chortradition anknüpfen. In den folgenden Jahren bereicherten MGV und Sängerlust gemeinsam die lokale Musikkultur, bis erneut ein Krieg die Singstimmen verstummen ließ.
Der Zweite Weltkrieg (1939–1945) brachte abermals das Vereinsleben zum Stillstand. Erst nach Kriegsende kehrten die Menschen allmählich auch zur Kultur zurück. 1948 wagten die heimkehrenden Sänger beider Männerchöre einen gemeinsamen Neuanfang: MGV und Sängerlust probten nun gemeinsam, um das Chorleben wieder in Gang zu bringen. Ein entscheidender Förderer dieses Wiederbeginns war Hermann Brucker, der als Dirigent mit viel Energie den Neuaufbau leitete. Ihm ist es in erster Linie zu verdanken, dass aus dem Zusammenschluss der beiden Vorkriegschöre schließlich eine dauerhafte Einheit wurde. Am 15. Januar 1950 war es soweit: In einer Generalversammlung hoben die Sänger den neuen Verein „Sängervereinigung Birkenfeld“ aus der Taufe. Zum 1. Vorsitzenden der Fusion wurde Dr. Paul Brenner gewählt (stellvertretender Vorsitzender: August Lengler), unterstützt von Schriftführer Eduard Herwagen und Kassierer Peter Schank. 90 aktive Sänger traten dem neuen Chor bei; insgesamt zählte man schon damals rund 300 Mitglieder. Damit war die Sängervereinigung Birkenfeld nicht nur zahlenmäßig eindrucksvoll aufgestellt, sie begriff sich auch ausdrücklich als Traditionsträger aller früheren Birkenfelder Gesangvereine. Die offizielle Chronik der Sängervereinigung beginnt folglich im Jahr 1856 mit der Gründung des Liederkranzes – ein nahtloser Anschluss an 150 Jahre Chorgesang in Birkenfeld.
Aufschwung in den 1950ern: Feste, Fahnen und erste Ehrungen
Die 1950er Jahre brachten der jungen Sängervereinigung einen beachtlichen Aufschwung. Unter Dirigent Hermann Brucker und später Karl Brenner (Gymnasiallehrer und Chorleiter ab 1953) entwickelte sich der Chor künstlerisch weiter. Bereits 1952 konnte man erste Freundschaften pflegen: So kam es zu einem gemeinschaftlichen Konzert mit der Bonner Liedertafel, was die Verbundenheit über die Region hinaus zeigte. Das Jahrzehnt gipfelte in einem großen Jubiläumsfest: Vom 9. bis 11. Juni 1956 feierte die Sängervereinigung Birkenfeld mit stolzem Blick auf die Wurzeln ihr 100-jähriges Bestehen. Dieses Stiftungsfest 1856–1956 verband man zugleich mit dem 2. Kreissängerfest, was zahlreiche Gastchöre aus Nah und Fern nach Birkenfeld lockte. Ein besonders symbolträchtiges Bild bot sich beim Festzug: Die alte Fahne der vormaligen „Sängerlust“ wurde vorneweg getragen, um die Brücke zur Tradition der Vorgängervereine sichtbar zu machen. Unter Mitwirkung vieler saarländischer und regionaler Gesangvereine geriet das Jubiläum zu einem echten Höhepunkt, der nur dank des Geschlossenheitswillens aller Sänger gestemmt werden konnte.
Doch damit nicht genug: Bereits im Folgejahr wurde der Birkenfelder Chor für seine Verdienste um die Chormusik besonders gewürdigt. Am 26. Mai 1957 erhielt die Sängervereinigung Birkenfeld – neben wenigen anderen Chören aus dem ganzen Bundesgebiet – in einer Feierstunde in Köln aus den Händen des Bundespräsidenten die Zelter-Plakette. Diese hohe Auszeichnung, die damals erstmals nach dem Krieg wieder verliehen wurde, würdigte die Sängervereinigung als ehrenvolle Nachfolgerin der früheren Liedertafel, des Liederkranzes, des MGV und der Sängerlust. Die junge Sängervereinigung sah sich damit offiziell in eine Traditionslinie gestellt, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichte – ein bemerkenswerter Erfolg nur sieben Jahre nach der Neugründung.
Doch auch Tiefen blieben in den 1950ern nicht aus. Nach den Gründungs- und Jubeljahren begann ab etwa 1958 ein deutlicher Mitgliederrückgang im aktiven Chor. Aus dem vormals über 100 Sänger starken Chor fanden sich zu Proben teils kaum mehr als 30 Sänger ein. Der Vorstand und Chorleiter Karl Brenner ließen sich jedoch nicht entmutigen. In großem Engagement stellte man 1959 ein gewaltiges Gemeinschaftskonzert auf die Beine, das am Buß- und Bettag in der Birkenfelder Jahnturnhalle stattfand. Beteiligt waren nahezu alle musikalischen Kräfte der Stadt: neben den Chören der Sängervereinigung auch der evangelische und katholische Kirchenchor, ein Jugendchor, das Orchester des Gymnasiums sowie ein Streichorchester des Musikvereins. Die monatelangen Proben zahlten sich aus – die Halle war überfüllt, und das Konzert wurde ein Erfolg. Allerdings erfüllte sich die Hoffnung nicht, dadurch einen nachhaltigen Zuwachs an aktiven Sängern zu gewinnen. Insbesondere die Männerstimmen blieben weiterhin dünn gesät, was es schwer machte, die früher gewohnte Fülle großer Konzerte aufrechtzuerhalten. Dennoch hielt der Chor sein musikalisches Niveau: Beim Wertungssingen 1961 zeigte sich, dass die Leistungsstärke trotz geringerer Zahl ungebrochen war.
Ein besonderer Ehrentag in der Vereinsgeschichte war der 19. Oktober 1963. An diesem Tag überreichte Landrat Dr. Beyer, im Auftrag des Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, der Sängervereinigung das Wappenschild des Landes Rheinland-Pfalz. Diese Auszeichnung war zuvor erst an vier kulturpflegende Vereine im ganzen Kreis Birkenfeld verliehen worden – ein Zeichen der hohen Wertschätzung der Sängervereinigung und ihrer kulturellen Rolle. Gleichzeitig erhielt die Sängervereinigung Birkenfeld an jenem Tag als erster Birkenfelder Verein überhaupt vom Stadtbürgermeister den Wappenteller der Stadt Birkenfeld. Stadt und Land ehrten somit den Chor für seine Verdienste um das kulturelle Leben.
Veränderungen und neue Impulse in den 1960/70er Jahren
Nach über einem Jahrzehnt an der musikalischen Spitze gab Chorleiter Edgar Mais im Jahr 1965 den Taktstock weiter. Als Nachfolger konnte im Februar 1965 Joachim Winkler, ein Realschullehrer, gewonnen werden. Er leitete den Chor bis 1973 und setzte neue Akzente, bevor auch er den Dirigentenstab abgab. In der Vorstandsriege gab es in den 1960ern ebenfalls Wechsel: Langjährige Vorsitzende in dieser Phase waren etwa Karlheinz Lamm (der den Verein mit kurzen Unterbrechungen von 1959 bis 1990 führte), und Karl Seul (Vorsitzender 1960–1963). Trotz aller personellen Veränderungen blieb die Sängervereinigung eine feste Größe im Ort.
Die 1970er Jahre standen im Zeichen weiterer Erneuerung und Verbreiterung. Ab Juni 1966 übernahm der junge Chorleiter Wolfgang Giebel die musikalische Leitung und führte insbesondere den Gemischten Chor mit frischem Schwung. Unter seiner Leitung wuchs die Qualität des Chores kontinuierlich. Ein Meilenstein war das große Stiftungsfest im Juni 1976. In jenem Jahr – dem 120-jährigen Jubiläum der Chortradition in Birkenfeld – richtete die Sängervereinigung vom 19. bis 21. Juni 1976 ein besonders ambitioniertes Sängerfest aus. 35 befreundete Vereine aus der Region fanden sich als Gäste ein, um gemeinsam mit den Birkenfeldern zu feiern. Dank des intensiven Einsatzes aller Sängerinnen und Sänger und insbesondere Chorleiter Giebel wurde das Fest ein voller Erfolg. Solche Großereignisse stärkten den Zusammenhalt und machten den Chor weit über Birkenfeld hinaus bekannt.
In den 1970ern entwickelte die Sängervereinigung zudem neue Formen geselligen Musizierens. Aus ursprünglich internen familiären Vereinsabenden entstand nach und nach die öffentliche „Sängerfastnacht“ – die Chor-Mitglieder brachten sich nun auch in der närrischen Zeit ein und bereicherten den lokalen Karneval mit musikalischem Witz. Dieser Trend mündete schließlich in der Gründung einer besonderen Gesangsgruppe, die in der ganzen Region für Furore sorgen sollte.
Die „Birkefella Pänz“ – 23 Jahre Fastnachtstradition (1981–2003)
Im Herbst 1980 tat sich eine Handvoll sangesfreudiger Herren aus dem Männerchor der Sängervereinigung zusammen, um für die kommende Karnevalssaison ein besonderes Projekt zu starten. Ihr Plan: mit mehrstimmigem Gesang und humorvollen Darbietungen die Fastnachtsbühne zu erobern. Bereits auf der Kappensitzung 1981 traten sie erstmals unter dem Namen „Birkefella Pänz“ – im lokalen Dialekt für „Birkenfelder Jungs“ – in Erscheinung. Was als Experiment begann, wurde zu einer außergewöhnlichen Erfolgsgeschichte: Sage und schreibe 23 Jahre in Folge traten die Birkefella Pänz alljährlich im Karneval auf. Mit jeweils zwei halbstündigen Singspielen prägten sie über zwei Jahrzehnte die Birkenfelder Sängerfastnacht. Ihre Auftritte waren eine raffinierte Mischung aus anspruchsvollem Chorgesang, aktueller Politsatire, witziger Kostümierung und kräftigem Klamauk. Die Initiatoren Helmut Weirich (damals Chorleiter des Männerchors) und Herbert Schweig orientierten sich an Vorbildern wie den Mainzer Hofsängern und dem karnevalistischen Kabarettisten Herbert Bonewitz. Eigenkompositionen wie der „Schluckspecht-Boogie“ oder das Schunkellied „Das Schnuckelche“, die aus der Feder des leider früh verstorbenen Herbert Schweig stammten, wurden zu Evergreens und durften in keiner Sitzung fehlen. Durch ihre Professionalität – sie sangen komplett ohne Noten und mehrstimmig – hoben sich die Pänz deutlich von vielen kurzlebigen närrischen Gesangsgruppen ab. Noch heute schwelgen die Beteiligten in Erinnerungen: Nach dem Ende der aktiven Bühnenzeit 2003 trifft sich der harte Kern der Truppe bis heute monatlich im Tierpark Schönewald, um alte und neue Lieder in kleiner Runde weiterzusingen. Die Birkefella Pänz sind damit ein herausragendes Beispiel dafür, wie ein traditionsreicher Chor auch jenseits des klassischen Konzertbetriebs das kulturelle Leben einer Stadt kreativ und mit Spaß bereichern kann.
Kontinuität und Wandel in den späten 1980er und 1990er Jahren
Parallel zu den närrischen Erfolgen blieb die Sängervereinigung Birkenfeld selbstverständlich auch ihrem Kernauftrag treu: dem Chorgesang auf hohem Niveau. In den 1980er Jahren gab es wiederum Wechsel in der musikalischen Leitung. Chorleiter Wolfgang Giebel zog sich Ende der 1980er zurück, und Helmut Weirich – bislang „nur“ Leiter des Männerchores – übernahm zeitweise zusätzlich den Gemischten Chor. Für den Gemischten Chor kamen ab 1990 auch weibliche Dirigentinnen zum Einsatz: Zunächst Barbara Prinz (1990–1993) und anschließend Gisela Prinz, die ab Januar 1994 den Gemischten Chor leitete. Gisela Prinz sollte den Chor über die Jahrtausendwende hinaus dirigieren und ist bis ins Jubiläumsjahr 2006 als Chorleiterin im Amt geblieben. Der Männerchor wurde nach Helmut Weirichs Abschied einige Zeit von Wolfgang Giebel weiterbetreut, bevor man in späteren Jahren beide Chorgattungen oft zusammenführte.
Auf der Vereinsebene endete im Jahr 1990 eine Ära: Karlheinz Lamm, der die Sängervereinigung (mit kurzen Unterbrechungen) seit 1959 als Vorsitzender geprägt hatte, gab sein Amt nach insgesamt fast drei Jahrzehnten ab. Ihm folgte Ernst Schlöndorf (Vorsitzender 1990–1996). In der zweiten Hälfte der 1990er übernahm dann Herbert Brust die Führung des Vereins, bis im März 2004 schließlich Stefan Schuch – selbst langjähriger Sänger – zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde. Schuch repräsentiert eine jüngere Generation und führte den Verein ins Jubiläumsjahr 2006.
Musikalisch und kulturell blieben die 1990er Jahre eine aktive Zeit. Die Sängervereinigung trat weiterhin bei vielen Veranstaltungen in Birkenfeld und Umgebung auf und war ein fester Bestandteil des öffentlichen Lebens. Unvergessen sind zum Beispiel Konzerte in der Birkenfelder Großsporthalle, die dem Publikum „einen Leckerbissen im kulturellen Leben der Stadt“ boten. Auch außerhalb der Heimat pflegte man Verbindungen: So entstand im Rahmen der Städtepartnerschaft Birkenfeld–Roerdalen (Niederlande) eine enge Sängerfreundschaft mit dem Ensemble „Rondomtís Melick“. Gegenseitige Besuche und gemeinsame Konzerte mit den niederländischen Freunden erweiterten den Horizont der Birkenfelder Sänger und festigten internationale Kontakte. Solche Reisen und Freundschaftssingen zeigten, dass der Chor ein würdiger Botschafter seiner Heimatstadt war: Die Aktiven vertraten Birkenfeld und den Landkreis bei zahlreichen Gelegenheiten mit Würde und trugen so zu Verständigung und Austausch bei.
Nachwuchsarbeit und die Gründung der „Regenbogen-Kids“ (2005–2006)
An der Schwelle zum 21. Jahrhundert stand die Sängervereinigung – wie viele traditionelle Chöre – vor der Herausforderung, Nachwuchs zu gewinnen. In den frühen 2000er Jahren war die Zahl der aktiven Sängerinnen und Sänger rückläufig. Besonders der Gemischte Chor, aber auch der Männerchor, hätten dringend Verstärkung gebraucht, insbesondere durch junge Stimmen. Vor diesem Hintergrund reifte die Erkenntnis, dass man selbst aktiv werden müsse, um die nächste Generation für das Singen zu begeistern. Eine engagierte Sängerin des Chores hatte schließlich die zündende Idee: Warum nicht einen Kinderchor gründen? Damit könnte man den Grundstein für die Zukunft legen und bereits die Kleinen für die Freude am Chorgesang gewinnen. Im Herbst 2005 war es dann soweit. Nach intensiver Werbung – 800 Handzettel wurden in den Grundschulen Birkenfeld, Brücken und Niederbrombach verteilt – fand am 7. September 2005 die erste Schnupperprobe für den neuen Kinderchor statt. Zunächst erschienen nur acht neugierige Kinder, doch schon in den folgenden Wochen wuchs die Gruppe kontinuierlich an. Bereits im Oktober 2005, zum Stadtfest in Birkenfeld, wagten die „Regenbogen-Kids“ ihren ersten öffentlichen Auftritt mit 13 kleinen Sängerinnen und Sängern. Der erfolgreiche Auftritt – gekrönt dadurch, dass die regionale Presse ein Foto der singenden Kinder veröffentlichte – war für alle ein riesiger Ansporn. Von da an gab es für die Regenbogen-Kids kein Halten mehr: Die Proben wurden fleißig fortgesetzt, neue Freundschaften entstanden, und der Zusammenhalt wuchs. Im November 2005 durfte der Nachwuchschor beim Herbstkonzert der Sängervereinigung in der evangelischen Kirche Birkenfeld mitwirken und erntete viel Applaus. Kurz vor Weihnachten traten die Kinder sogar auf dem Birkenfelder Weihnachtsmarkt auf – trotz schlechten Wetters sangen sie begeistert ihre Weihnachtslieder und wurden mit Kinderpunsch belohnt. Die Mitgliederzahl war bis dahin bereits auf 15 angewachsen.
Das Jahr 2005 klang mit einer fröhlichen kleinen Weihnachtsfeier der Regenbogen-Kids aus. Im Jubiläumsjahr 2006 probten die jungen Stimmen ungebrochen eifrig weiter und erweiterten ihr Repertoire mit viel Spaß an der Sache. Schon im März 2006 konnten sie bei einer Frühlingsfeier ihr Können erneut unter Beweis stellen und zeigen, dass ohne Freude und Begeisterung nichts zu schaffen ist. Die Gründung dieses Kinderchores unter der Leitung von Carolin Dietz erwies sich als voller Erfolg und wurde in der Festschrift lobend hervorgehoben. Sie ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Sängervereinigung aktiv daran arbeitet, die eigene Zukunft zu sichern, und die Tradition des Chorgesangs an die Jugend weiterzugeben.
Die Sängervereinigung als kultureller Traditionsträger Birkenfelds
Vom mutigen Schritt einiger Bürger im Jahr 1856 bis zum 150-jährigen Jubiläum 2006 hat die Sängervereinigung Birkenfeld wahrlich „turbulente anderthalb Jahrhunderte“ durchlebt. Immer wieder stand die Existenz des Chores auf dem Spiel – sei es in Kriegszeiten oder wegen Nachwuchssorgen – doch immer wieder gelang es den Mitgliedern, mit Idealismus und Zusammenhalt die Herausforderungen zu meistern. Heute kann der Verein stolz darauf zurückblicken, eine der ältesten und traditionsreichsten Gemeinschaften der Kreisstadt Birkenfeld zu sein. Viele Entwicklungen der Zeit – politische Umbrüche, gesellschaftlicher Wandel – gingen nicht spurlos am Verein vorbei, aber die Sängervereinigung hat sich dabei unschätzbare Verdienste um die Sangeskultur und das Gemeinwesen erworben. Mit ihrem Chorgesang bereichert sie seit eineinhalb Jahrhunderten die kulturellen Veranstaltungen der Stadt und der Region und trägt zur Pflege des Liedguts bei.
Immer wieder hat die Sängervereinigung Birkenfeld auch über lokale Grenzen hinaus gewirkt. Ihre Sängerinnen und Sänger haben ihre Heimatstadt und den Landkreis bei vielfältigen Anlässen würdevoll vertreten – ob bei freundschaftlichen Besuchen in anderen Chorgemeinden, überregionalen Wettstreiten oder internationalen Begegnungen. Der Chor förderte damit auch die Verständigung zwischen den Menschen und baute Brücken der Freundschaft durch Musik. In Birkenfeld selbst ist die Sängervereinigung eine feste Größe: Ob Stadtfeste, Gedenkfeiern, Fastnacht oder kirchliche Konzerte – oft ist der Chor zur Stelle und verleiht den Ereignissen einen würdigen musikalischen Rahmen. Für viele Birkenfelder gehört der jährliche Auftritt des Chores zur Weihnachtszeit oder das Platzkonzert im Sommer einfach dazu.
Angesichts dieser Leistungen verwundert es nicht, dass die Stadt Birkenfeld den Verein anlässlich seines 150. Jubiläums mit einem besonderen Preis ehrte: Der Stadtrat verlieh der Sängervereinigung 2006 den Förderpreis für Kunst und Kultur in Würdigung ihrer Verdienste um die kulturelle Entwicklung der Kreisstadt. Diese Auszeichnung unterstreicht die Bedeutung des Chores als Traditions- und Kulturträger in der Region.
Heute, wie schon vor 150 Jahren, gilt das Motto: „Wo man singt, da lass dich nieder“ – die Sängervereinigung Birkenfeld bietet allen Generationen eine musikalische Heimat und verbindet Menschen durch die Freude am gemeinsamen Singen. Sie hat Höhen und Tiefen erlebt, doch ihre Liebe zur Musik und der Gemeinschaftsgeist haben alle Stürme überdauert. Mit frischem Elan, gestärkt durch die eigene Geschichte und den Nachwuchs im Kinderchor, blickt die Sängervereinigung Birkenfeld im Jahr 2006 und darüber hinaus nach vorne. Als lebendiges Stück Birkenfelder Kultur wird der Chor weiterbestehen – getragen von dem Wissen um 150 Jahre Tradition und der Zuversicht, auch künftigen Generationen das „Atmen der Seele“ durch das Singen vermitteln zu können.
Quellen: Festschrift „150 Jahre Sängervereinigung Birkenfeld 1856–2006“ (Birkenfeld, 2006)