Persönliche Worte des Autors

Seit über sechzig Jahren bin ich mit Idar-Oberstein eng verbunden. Zwar geboren und aufgewachsen in der Kreisstadt Birkenfeld – meiner Heimat –, habe ich einen großen Teil meines Arbeitslebens in Idar-Oberstein verbracht, Berufsschule,viele Jahre an der Adlerieschule Idar-Oberstein. Einkäufe, Begegnungen und berufliche Wege führten mich immer wieder in die Edelsteinstadt, die zu einem festen Bestandteil meines Lebens wurde.

Durch die Arbeit an diesem Beitrag habe ich begonnen, Idar-Oberstein noch einmal neu zu entdecken. Die intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte, den Persönlichkeiten und Entwicklungen der Stadt hat meinen Blick verändert. Hinter den vertrauten Straßen und Plätzen öffnen sich Geschichten von Entdeckermut, Handwerkskunst und weltweiter Verbindungen.

Es ist faszinierend zu sehen, wie reich und vielschichtig die Vergangenheit Idar-Obersteins ist – und wie sehr sie das Heute prägt. Auch nach so vielen Jahren bleibt für mich eines klar:
Idar-Oberstein funkelt nicht nur in seinen Edelsteinen – sondern auch in seiner Geschichte.

Umfassendes Portrait von Idar-Oberstein

Idar-Oberstein – Edelsteinstadt mit bewegter Geschichte und lebendiger Kultur

Idar-Oberstein ist eine Stadt in Rheinland-Pfalz, bekannt als Edelsteinstadt und traditionsreiche Garnisonsstadt. Sie liegt im Landkreis Birkenfeld am Rand des Hunsrücks, beiderseits der Nahe​. Die heutige Stadt entstand durch Zusammenschlüsse 1933 und 1969 aus vormals eigenständigen Orten und ist mit rund 28.000 Einwohnern die größte Stadt des Hunsrücks​. Im Folgenden bietet dieser Beitrag ein umfassendes Portrait Idar-Obersteins – von den frühen Anfängen über politische und wirtschaftliche Entwicklungen bis hin zu Kultur, Sport und Persönlichkeiten.

Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart

Frühzeit und erste Erwähnungen: Das Gebiet von Idar-Oberstein war schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Funde wie keltische Ringwälle (Fliehburgen) auf den Höhen und römische Relikte (Teile von Gutshöfen, Grabsteine) belegen eine frühe Besiedlung​. Im Frühmittelalter entstanden um das 7. Jahrhundert die ersten Kirchen in der Region Birkenfeld, und zwischen 700 und 1300 wurden viele Orte der oberen Nahe erstmals urkundlich erwähnt. Ein Inschriftenstein in der evangelischen Stadtkirche Idar trägt beispielsweise die Jahreszahl 1114​. Der Name Oberstein taucht indirekt 1075 auf: In diesem Jahr wird ein Ritter vom Stein (Oberstein) erstmals erwähnt​. Diese Ritter errichteten ihre Burg Bosselstein auf einem Felsen oberhalb der Stelle, wo später die berühmte Felsenkirche gebaut wurde​. Damit begann die überlieferte Geschichte der lokalen Herrschaft Oberstein.

Mittelalter: Im 12. und 13. Jahrhundert spaltete sich das Geschlecht der Herren von Oberstein in zwei Linien auf​. Die eine Linie („Herren von Oberstein“) residierte auf Burg Bosselstein, die andere Linie („Herren von Daun-Oberstein“) errichtete um 1330 eine weitere Burg, das „Neue Schloss“ Oberstein​. Unter Wirich IV. von Daun-Oberstein vereinigte die Familie im 15. Jahrhundert ihre verstreuten Besitztümer; in den Jahren 1482–1484 ließ Wirich IV. als Wahrzeichen die berühmte Felsenkirche in den Fels über Oberstein bauen​. Diese spätgotische Kirche in einer 60 Meter hohen Felsnische ist bis heute einzigartig​. Oberstein entwickelte sich um die Burgen und war mit Stadtmauer und Markt ausgestattet – formal blieb es jedoch ein Flecken (Marktort) ohne volles Stadtrecht​. Der Ort Idar auf der anderen Seite des Idarbaches gehörte zusammen mit umliegenden Dörfern (dem sogenannten Idarbann) größtenteils ebenfalls den Obersteiner Herren und teilte weitgehend deren Schicksal​. Daneben hatten jedoch auch andere Grundherren Einfluss in der Gegend: So besaßen etwa die Wild- und Rheingrafen und die Abtei Tholey Rechte in einigen Ortschaften um Idar​.

Frühe Neuzeit: Durch Erbfolge und Verkäufe wechselte die Herrschaft Oberstein in den folgenden Jahrhunderten mehrfach die Besitzer. 1682 ging Oberstein an die Grafen von Leiningen-Heidesheim über, 1766 dann an die Grafen von Limburg-Styrum​. Das Kerngebiet der Herrschaft schrumpfte dabei, da etwa der Idarbann 1771 an die Hintere Grafschaft Sponheim fiel​. Im Jahr 1776 übernahm schließlich die Markgrafschaft Baden die Reste der Herrschaft Oberstein​. Am Vorabend der Französischen Revolution war die Region also zwischen verschiedenen Fürsten aufgeteilt. In Idar und Oberstein selbst lebten zu dieser Zeit bereits viele Menschen vom Handwerk der Edelsteinbearbeitung – ein Gewerbe, das später von entscheidender Bedeutung sein sollte (siehe Abschnitt Wirtschaftliche Entwicklung).

19. Jahrhundert: Die Eroberung durch revolutionäre Truppen brachte 1797/98 die französische Herrschaft: Idar und Oberstein lagen im von Frankreich besetzten linken Rheinufer. Nach dem Ende der napoleonischen Zeit wurde die politische Landkarte neu geordnet. Der Wiener Kongress 1815 teilte die Gegend nicht Preußen zu, sondern schuf das Fürstentum Birkenfeld unter der Herrschaft des fernen Großherzogtums Oldenburg​. Idar und Oberstein gehörten fortan zum oldenburgischen Landesteil Birkenfeld, behielten jedoch die französischen Verwaltungsstrukturen bei​. Die Bevölkerung stand der Oldenburger Lösung zunächst kritisch gegenüber und hätte vielfach lieber zu Preußen gehört​. Die Oldenburger erwiesen sich jedoch als aufgeklärte Verwalter: Sie führten unabhängige Gerichte und förderten Schulen sowie die Wirtschaft​. In dieser Phase erhielten sowohl Idar als auch Oberstein formell das Stadtrecht verliehen​, was ihren urbanen Status festigte. Mit der Industrialisierung wuchsen beide Städte weiter.

Ein bemerkenswertes Kapitel der Stadtgeschichte begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Auswanderung vieler Bewohner nach Südamerika. Im Jahr 1827 entdeckten ausgewanderte Idarer in Brasilien (Bundesstaat Rio Grande do Sul) reiche Achat-Vorkommen​. Schon 1834 erreichte die erste Lieferung brasilianischer Achate Idar und Oberstein​. Diese Steine erwiesen sich wegen ihrer gleichmäßigen Bänderung als ideal für die Herstellung von Gemmen (geschnittenen Edelsteincameos)​. Die Entdeckung gab der örtlichen Edelsteinindustrie, deren heimische Vorkommen nahezu erschöpft waren, einen gewaltigen Aufschwung (siehe ebenfalls Abschnitt Wirtschaftliche Entwicklung). Idar und Oberstein wurden so im 19. Jahrhundert zu einem Weltzentrum der Achat- und Edelsteinverarbeitung.

20. Jahrhundert: Nach der Reichsgründung 1871 blieben Idar und Oberstein zunächst Teil des nun deutschen Freistaats Oldenburg. Nach dem Ersten Weltkrieg dankte der Oldenburger Großherzog ab, und der Landesteil Birkenfeld wurde zur Republik (Freistaat) Oldenburg-Birkenfeld, allerdings unter französischer Besatzung​. Politisch radikalisierte sich die Stimmung in der Weltwirtschaftskrise – bei der Landtagswahl 1931 erzielte die NSDAP im Landesteil Birkenfeld bereits 37 %​. 1933 übernahmen die Nationalsozialisten auch in Idar und Oberstein die Macht. Eine der ersten Maßnahmen der neuen Machthaber war eine Verwaltungsreform, bei der zum 1. Oktober 1933 insgesamt 18 bis dahin selbstständige Gemeinden zu einer neuen Stadt Idar-Oberstein fusionierten​. Neben Idar und Oberstein wurden dabei auch Tiefenstein, Algenrodt, Enzweiler und weitere umliegende Orte eingemeindet. Erster Bürgermeister der vereinigten Stadt wurde Ludwig Bergér, der zuvor schon Stadtbürgermeister in Oberstein gewesen war​. Mit dem Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 wurde der oldenburgische Landesteil Birkenfeld aufgelöst; Idar-Oberstein kam nun vollständig zur preußischen Rheinprovinz​. Während des Zweiten Weltkriegs litt die Stadt unter den Einschränkungen der Wirtschaft und vereinzelten Bombenangriffen, blieb jedoch von großflächiger Zerstörung verschont. Nach Kriegsende 1945 gehörte Idar-Oberstein zur französischen Besatzungszone und ging 1946 im neu gegründeten Bundesland Rheinland-Pfalz auf.

Seit 1945: Die Nachkriegszeit brachte einen Neuanfang. Idar-Oberstein lag nun im Westen Deutschlands, nahe der Grenze zum Saarland, und entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten weiter. Im Zuge der Verwaltungsreform 1969 wurden weitere umliegende Dörfer eingemeindet – darunter Weierbach (Georg-Weierbach), mehrere Bollenbach-Orte (Nah-, Mittel- und Kirchenbollenbach) sowie Göttschied und Regulshausen​. Dadurch wuchs die Stadtfläche erheblich, und Idar-Oberstein wurde zur großen kreisangehörigen Stadt erklärt (Status einer kreisangehörigen Stadt mit Sonderrechten)​. In den Jahrzehnten danach stand die Stadt vor dem Strukturwandel: Die traditionelle Edelsteinindustrie schrumpfte (siehe Wirtschaft), und viele Einwohner zogen in wirtschaftsstärkere Regionen ab. Dennoch behauptete Idar-Oberstein seine Stellung als regionales Zentrum, unter anderem durch neue Industriezweige und als Ausbildungsstandort.

In die jüngere Geschichte der Stadt schrieb sich ein tragisches Ereignis vom 18. September 2021 ein: An diesem Tag erschoss ein 49-jähriger Mann in Idar-Oberstein einen 20-jährigen Kassierer einer Tankstelle aus Wut über die Maskenpflicht in der Corona-Pandemie​. Die Tat erregte bundesweit Aufsehen und löste Diskussionen über Radikalisierung und Corona-Proteste aus​. Dieses Ereignis zeigt, dass auch in einer beschaulichen Mittelstadt weltweite Krisenthemen ihren Niederschlag finden.

Politische Entwicklungen und Stadtverwaltung

Die politische Geschichte Idar-Obersteins ist geprägt von Gebietsreformen und wechselnden Zuständigkeiten. Die bedeutendste Zäsur war die bereits erwähnte Fusion von 1933, durch die Idar-Oberstein überhaupt erst als einheitliche Stadt entstand​. Diese von der NS-Regierung verordnete Zusammenlegung wurde nach dem Krieg nicht rückgängig gemacht, sodass Idar-Oberstein bis heute aus den Stadtteilen Idar, Oberstein und den weiteren eingemeindeten Orten besteht. 1960 erhielt Idar-Oberstein – inzwischen im Land Rheinland-Pfalz – offiziell den Titel „Große kreisangehörige Stadt“, was erweiterte Selbstverwaltungsrechte mit sich brachte​. Die zweite Gebietsreform von 1969 integrierte weitere Gemeinden (wie Weierbach, Nahbollenbach und Göttschied), um der Abwanderung ins Umland entgegenzuwirken​. Durch diese Eingemeindungen stieg die Einwohnerzahl deutlich und die Stadt erreichte ihre heutige Ausdehnung.

Die Stadtverwaltung wird von einem Oberbürgermeister (OB) geführt. Erster OB nach Kriegsende war (nach kurzen Übergängen) Leberecht Hoberg (CDU) ab 1960​. In der Folge stellten häufig SPD-Politiker den Verwaltungschef: So amtierte Wilfried Wittmann (SPD) in den 1960er Jahren, gefolgt von Erwin Korb (SPD, 1977–1991)​. In den 2000er Jahren wechselte dies: Von 2007 bis 2015 war Bruno Zimmer (SPD) Oberbürgermeister, dann übernahm Frank Frühauf (CDU) das Amt​. Frühauf wurde 2014 direkt gewählt und 2022 ohne Gegenkandidat im Amt bestätigt​. Er steht bis heute an der Spitze der Stadt und wurde für seine zweite Amtszeit bis 2031 vereidigt​.

Die Stadtpolitik ist darüber hinaus durch ein ehrenamtliches Stadtparlament (Stadtrat) geprägt. Idar-Oberstein pflegt auch Partnerschaften, zum Beispiel mit mehreren französischen und ostdeutschen Kommunen (als Zeichen der Versöhnung und Zusammenarbeit nach dem Krieg). Eine besondere Patenschaft verbindet die Stadt seit 1988 mit der Artillerieschule der Bundeswehr vor Ort – dazu später mehr.

Wichtige politische Ereignisse in der jüngeren Zeit waren neben der wirtschaftlichen Umstrukturierung vor allem Entscheidungen zur Stadtentwicklung. In den 1980er Jahren beispielsweise wurde die Überbauung der Nahe umgesetzt – ein umstrittenes Bauprojekt, bei dem ein Teil des Flusses im Stadtzentrum mit einer Straße und Parkplatz überdeckt wurde, um den innerstädtischen Verkehr zu entlasten. Zudem war der Erhalt der Bundeswehrstandorte stets ein politisches Thema auf kommunaler Ebene, da die Garnison ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist.

Wirtschaftliche Entwicklung

Idar-Oberstein verdankt seinen Weltruf vor allem der Edelstein- und Schmuckindustrie, die hier eine jahrhundertealte Tradition hat. Die Wurzeln als Zentrum der Edelsteinschleiferei reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück​: Damals entdeckte man im Umland (dem vulkanischen Hunsrück) Achate, Amethyste und Jaspis, welche mit Wasserkraft in Schleifmühlen bearbeitet wurden​. Im Jahr 1609 erließ der Landesherr Philipp Franz von Salm-Dhaun eine Zunftordnung für die Achatschleifer; er bestimmte Oberstein zum Hauptort dieser Zunft​. Fortan entwickelte sich die Edelsteinbearbeitung kontinuierlich weiter. Über Jahrhunderte nutzten die Schleifer die Wasserkraft der Bäche (Idarbach, Fischbach, Nahe) in sogenannten Wasserschleifen – erst 1865 wurde die erste Schleifmühle auf Dampfantrieb umgestellt​. Nach 1875 führte ein zugewanderter böhmischer Schleifer die Facettenschliff-Technik (Lapidärschleiferei) ein, um auch härtere Edelsteine mit vielen Flächen zu schleifen​. In den 1890er Jahren entstanden die ersten größeren Schleifereien in Fabrikgebäuden mit Dampfkraft, wenig später hielt die Elektrizität Einzug in die Produktion​.

Mit der Industrialisierung wurde Idar-Oberstein im späten 19. Jahrhundert zu einem weltweit bedeutenden Standort der Edelsteinverarbeitung. Entlang der Bäche reihten sich zahlreiche Schleifwerkstätten, und auch in den Ortskernen von Idar und Oberstein gab es viele Betriebe​. Um 1900 exportierten die hiesigen Firmen rund 95 % ihrer Produktion ins Ausland​. Neben geschliffenen Achaten und anderen Edelsteinen wurden auch Perlen, Schmuckstücke und sogar synthetische Steine international gehandelt​. Die Branche umfasste eine große Vielfalt an Gewerben – von Achatschleifern und Facettierern über Diamantschleifer und Graveure bis zu Bohrern und Goldschmieden​. Entsprechend gab es spezialisierte Berufsschulen und Ausbildungsgänge direkt in Idar-Oberstein, um den Nachwuchs in all diesen Berufen zu schulen​.

Die Beschaffung von Rohsteinen spielte dabei eine entscheidende Rolle. Zunächst wurden die lokalen Lagerstätten genutzt, doch diese waren begrenzt. Wie oben erwähnt, wanderte daher ein Teil der Bevölkerung im 19. Jahrhundert nach Brasilien aus und erschloss neue Rohstoffquellen. Die regelmäßigen Achatlieferungen aus Südamerika ab 1834 gaben der Industrie enormen Schub​. Idar-Obersteiner Händler bauten ein globales Netzwerk auf; die Stadt wurde zum Umschlagplatz für Edelsteine aus aller Welt.

Krisen und Wandel: Der Erste Weltkrieg brachte der Edelsteinbranche schwere Verluste – Auslandsvermögen gingen verloren, Absatzmärkte brachen weg​. Trotzdem gelang es den Firmen in den 1920er Jahren, nach Inflation und Wirtschaftskrise den Betrieb wieder hochzufahren und viele Arbeitsplätze zu erhalten​. Der Zweite Weltkrieg bedeutete erneut einen Einschnitt: Zahlreiche Betriebe kamen zum Erliegen, wichtige Kunden im Ausland fielen aus. Von vormals etwa 5.000–6.000 Beschäftigten in der Edelsteinindustrie waren nach Kriegsende nur noch rund 800 Personen in diesem Sektor tätig​. Die meisten verbliebenen arbeiteten nun im Handel statt in der Produktion​, da günstige Massenproduktionen im Ausland und neue Materialien den klassischen Schleifereien zusetzten.

Dennoch blieb die Edelsteinbranche ein Herzstück der lokalen Wirtschaft. In den Nachkriegsjahrzehnten spezialisierten sich die Idar-Obersteiner Firmen auf hochwertige Nischenprodukte, individuelle Schmuckstücke und den Handel mit exklusiven Steinen. 1974 wurde in Idar-Oberstein sogar die weltweit erste kombinierte Diamant- und Edelsteinbörse gegründet​. Diese Börse, an der heute rund 100 Firmen beteiligt sind, ist Mitglied im Weltverband der Diamantbörsen und unterstreicht die globale Bedeutung des Standorts​. Ergänzend dazu besteht seit 1932 die Deutsche Gemmologische Gesellschaft (DGemG) mit Sitz in Idar-Oberstein, welche als international renommierte Institution Ausbildungen in Edelstein- und Diamantenkunde anbietet​. Über 30.000 Teilnehmer aus 75 Ländern haben bisher die Lehrgänge der DGemG besucht​ – ein weiterer Beleg dafür, dass Idar-Oberstein bis heute ein Mekka der Edelsteinkunde ist.

Neben Edelsteinen hat sich Idar-Oberstein im Laufe der Zeit auch wirtschaftlich diversifiziert. Im Stadtgebiet finden sich mehrere namhafte Industrieunternehmen außerhalb der Schmuckbranche. So hat der Kochgeschirrhersteller Fissler AG, bekannt für Töpfe und die Erfindung der Gulaschkanone (Feldküche) im Jahr 1892, hier seinen Hauptsitz​. Ebenfalls ansässig ist ein großes Werk des Biotechnologie-Unternehmens BioNTech, das in Idar-Oberstein Produktions- und Forschungsanlagen mit mehreren hundert Mitarbeitern betreibt​. Des Weiteren gibt es bedeutende Automobilzulieferer wie Magna, Ymos und die Wayand AG, die in Idar-Oberstein Fertigungsstätten unterhalten​. Auch die Energieversorgung der Region wird von hier aus gelenkt: Die OIE AG (Oberstein-Idarer Elektrizitätsgesellschaft), heute Teil des E.ON-Konzerns, hat ihren Sitz in Idar-Oberstein​. Traditionsreiche Mittelständler runden das Bild ab – etwa Jakob Bengel, einst eine Ketten- und Bijouteriewarenfabrik, die in den 1920er Jahren mit Art-Déco-Schmuck weltbekannt wurde (heute ein Industriedenkmal und Museum)​; oder Klein & Quenzer, eine ehemalige Modeschmuckfabrik, die während der Weltkriege einer der größten Hersteller für deutsche Orden und Ehrenzeichen war​. Insgesamt bildet die Mischung aus Edelsteinhandwerk, Industrie und Dienstleistungen heute das wirtschaftliche Fundament der Stadt.

Kulturelle Entwicklungen, Sehenswürdigkeiten und Traditionen

Trotz ihrer überschaubaren Größe verfügt die Stadt über ein reiches kulturelles Erbe und zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Wahrzeichen Idar-Obersteins ist die bereits erwähnte Felsenkirche, die malerisch in einer Felswand über der Altstadt Obersteins thront. Der Legende nach soll ein gewisser Wirich von Oberstein im 15. Jahrhundert aus Reue über ein Verbrechen den Bau dieser Kirche veranlasst haben – verbürgt ist zumindest, dass die Kapelle zwischen 1482 und 1484 errichtet wurde​. Besucher erreichen die Felsenkirche nur über einen steilen Treppenweg durch den Fels. Unterhalb der Kirche zieht sich die historische Altstadt Oberstein mit ihren Fachwerkhäusern am Hang entlang, überragt von den Ruinen zweier mittelalterlicher Burgen: der Burg Bosselstein (Stammsitz der Herren von Oberstein) und der Ruine des Schlosses Oberstein. Dieses Ensemble aus Burgen, Kirche im Fels und Altstadthäusern bildet ein einmaliges Panorama und macht Idar-Oberstein zu einem beliebten Reiseziel für Kultur- und Geschichtsinteressierte.

Blick über Idar-Oberstein: Unten im Tal liegt die Stadt Oberstein mit ihren dicht gedrängten Häusern. Rechts an der Felswand ist die beleuchtete Felsenkirche zu erkennen, und darüber befinden sich die Ruinen von Schloss Oberstein (Mitte) und der Burg Bosselstein (rechts oben). Dieses eindrucksvolle Ensemble ist ein Wahrzeichen der Stadt und zieht jährlich viele Touristen an​​.

Auch im Stadtteil Idar (flussaufwärts gelegen) finden sich bemerkenswerte Bauwerke, etwa die evangelische Stadtkirche mit dem erwähnten Inschriftenstein von 1114 oder das alte Rathaus. Da Idar-Oberstein im Zweiten Weltkrieg kaum zerstört wurde, sind in den Stadtteilen noch etliche Gebäude aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert erhalten, darunter Jugendstil-Villen wohlhabender Edelsteinhändler.

Die Stadt ist stolz auf ihre Museen, die das kulturelle Erbe bewahren:

  • Im Deutschen Edelsteinmuseum in Idar kann man eine weltweit einzigartige Sammlung von geschliffenen Edelsteinen, Mineralien und Schmuckstücken bewundern. Exponate wie riesige Achate, funkelnde Turmaline oder kunstvoll geschnittene Gemmen zeigen die Vielfalt der heimischen Steinkunst.
  • Das Deutsche Mineralienmuseum in Oberstein hingegen widmet sich den mineralogischen Schätzen – es ist in einem historischen Gebäude am Marktplatz untergebracht und präsentiert Mineralfunde aus der Region und aller Welt, oft in ihrer natürlichen Kristallform.
  • Eine besondere Attraktion ist das Industriedenkmal Jakob Bengel: Diese original erhaltene Ketten- und Schmuckfabrik aus dem Jahr 1873 erlaubt einen Zeitsprung in die Blütezeit der Idarer Schmuckherstellung​. In der einstigen Fabrikhalle stehen noch die alten Maschinen, und Führungen demonstrieren, wie man um 1900 Modeschmuck und Ketten im Art-Déco-Stil fertigte.

Rund um Idar-Oberstein laden zudem einige historische Edelsteinminen zur Besichtigung ein. So kann man im Steinkaulenberg – der einzigen zugänglichen Edelsteinmine Europas – selbst auf Schatzsuche gehen. In den Stollen dieses Bergwerks wurden früher Achate und andere Quarze abgebaut; heute dürfen Besucher dort nach bunten Achatscheiben suchen und die harte Arbeit der Hauer nachempfinden. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die Historische Weiherschleife, eine wassergetriebene Schleifmühle aus dem 18. Jahrhundert. Das schmucke Fachwerkgebäude mit seinem Wasserrad zeigt die traditionelle Art der Achatschleiferei: Vorführungen verdeutlichen, wie Schleifer früher bäuchlings auf dem „Lieger“ lagen und Steine mit großen Sandsteinscheiben schliffen – eine Technik, die typisch für die Region war.

Neben Geschichte und Museen hat Idar-Oberstein auch ein reges Veranstaltungsleben. Alljährlich im Herbst treffen sich Händler und Liebhaber aus aller Welt zur Intergem, der Internationalen Fachmesse für Edelsteine und Edelsteinschmuck​. Dort werden neueste Schmuckkollektionen präsentiert und Rohsteine gehandelt. Daneben gibt es regionale Messen wie die Wirtschaftstage für Verbraucher und Ausstellungen wie die Mineralienwelt, auf der seltene Mineralstufen und Fossilien gezeigt werden​. Musikalisch hat sich die Stadt mit den Idar-Obersteiner Jazztagen (jeweils Anfang Juni) und einer jährlichen Bluesnacht etabliert​. Diese Events verwandeln die Fußgängerzone in Idar zeitweise in eine Open-Air-Bühne für Jazz- und Blueskünstler aus der Region und dem In- und Ausland. Auch Liebhaber anderer Genres kommen auf ihre Kosten: Von Rockfestivals wie Rock im Daal​ bis zu Kleinkunst-Veranstaltungen (etwa der jährlichen Zaubergala des Magischen Zirkels) ist für jeden Geschmack etwas dabei​. Für Familien gibt es die Kinderkulturtage mit Theater und Musik für Kinder und Jugendliche​.

Ein sehr traditionelles Fest war bis vor Kurzem das Idar-Obersteiner Spießbratenfest. Seit 1967 wurde jedes Jahr Ende Juni fünf Tage lang auf dem Festplatz gefeiert​. Höhepunkt war der Wettbewerb im Spießbraten-Zubereiten und natürlich das gemütliche Beisammensein bei Bier und dem typischen Fleisch vom Feuer. Das Spießbratenfest galt als größtes Volksfest an der Oberen Nahe​. Leider musste es 2020 pandemiebedingt abgesagt werden und fand seither (Stand 2023) nicht wieder statt​. Viele Bürger hoffen jedoch auf eine Wiederbelebung dieser geliebten Tradition in Zukunft.

Kulinarische Spezialitäten: Der Original Idar-Obersteiner Spießbraten ist weit mehr als nur ein Gericht – er gehört zum kulturellen Brauchtum der Region​. Dabei unterscheidet man zwei Varianten: den Idarer Spießbraten und den Obersteiner Spießbraten​. Erstere Variante besteht aus einem flachen Stück Rind- oder Schweinefleisch, das auf einem Schwenkgrill über Buchenholzfeuer gegrillt wird​. Das Fleisch – traditionell ein Stück Hochrippe, heute oft auch Roastbeef oder Schweinenacken – wird mindestens einen Tag zuvor in einer Marinade aus rohen Zwiebeln, Salz und Pfeffer eingelegt​. Beim Grillen essen die Einheimischen gerne noch rohe Zwiebeln direkt am Feuer dazu und genießen ein Bier – so will es der Brauch​. Der Obersteiner Spießbraten hingegen ist ein aufgespulter Rollbraten am Drehspieß​. Beide Zubereitungsarten sind fest in der lokalen Kultur verankert, sogar die Soldaten der ansässigen Artillerietruppe pflegen dieses Grillritual​. Interessant ist der Ursprung des Spießbratens: Die Idee, Fleisch am Spieß über offenem Feuer zu garen und vorher in einer Würzmischung einzulegen, kam mit den Rückkehrern aus Südamerika im 19. Jahrhundert. Diese hatten in Argentinien und Brasilien die Grilltechnik der Gauchos kennengelernt (das Churrasco) und brachten sie in die Heimat mit​. So verbindet der Idar-Obersteiner Spießbraten lokale Tradition mit einem Hauch Exotik. Neben dem Spießbraten sind auch Gefüllte Klöße (mit Speck und Lauch gefüllte Kartoffelklöße, im Dialekt „Klees“) und die Kartoffelwurst (Krumbierewurscht) regionale Spezialitäten, die auf keiner Speisekarte der Hausmannskost fehlen​.

Sportliche Entwicklungen und Vereine

Trotz der primär wirtschaftlich von Edelsteinen geprägten Geschichte hat Idar-Oberstein auch im Sport einige Erfolge und Traditionen vorzuweisen. Der wichtigste Sportverein der Stadt ist der SC Idar-Oberstein, dessen Wurzeln bis 1907 zurückreichen. Damals wurde in Idar einer der ersten Fußballclubs der Nahe-Region gegründet (als 1. FC Idar, ursprünglich SC Alemannia Idar)​. 1971 fusionierte dieser traditionsreiche Club mit dem Stadtrivalen Sportvereinigung Idar zum heutigen SC Idar-Oberstein​. Der Verein ist vor allem im Fußball aktiv – die erste Mannschaft spielte zeitweise in der Oberliga Südwest und qualifizierte sich 1999 sogar für den DFB-Pokal (den deutschen Vereinspokal)​. Darüber hinaus bietet der SC weitere Abteilungen, etwa Leichtathletik und Breitensport. Das städtische Stadion im Haag und andere Sportanlagen sind Heimstätte für die lokalen Wettbewerbe.

Auch in der Leichtathletik machte Idar-Oberstein von sich reden: Der Sprinter Bernd Cullmann gewann 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom die Goldmedaille in der 4×100-Meter-Staffel​ – eine Sensation, auf die man in seiner Heimatstadt bis heute stolz ist. Cullmann startete damals für die LG Idar-Oberstein und legte den Grundstein für eine lange Tradition erfolgreicher Leichtathleten aus der Region. Ebenfalls im Sprint war Helmut Dreher erfolgreich, der 1958 Europameisterschafts-Silber in der 4×400-Meter-Staffel holte​. Im Triathlon hat Idar-Oberstein mit Joëlle Franzmann eine Olympiateilnehmerin hervorgebracht, die Deutschland 2004 in Athen vertrat​.

Im Fußball der Nachkriegszeit gelangen zwei gebürtigen Obersteinern, den Brüdern Erich und Richard Meng, Karrieren als Profispieler in den 1930er Jahren​. In jüngerer Zeit schaffte Markus Schupp, geboren 1966 in Idar-Oberstein, den Sprung in die 1. Bundesliga und wurde später sogar Trainer​. Auch Torhüter-Talent Lennart Grill (Jahrgang 1999) stammt aus Idar-Oberstein und spielte bereits in der Bundesliga​. Abseits des Fußballfeldes machte Frank Bongardt auf sich aufmerksam – er wurde Welt- und Europameister im Kickboxen​. Hinzu kommen zahlreiche Breitensportvereine, die in Idar-Oberstein aktiv sind: vom Tennisclub über Schützenvereine bis zum traditionsreichen Turnverein, der schon seit dem 19. Jahrhundert existiert. Dieses vielfältige Sportangebot zeigt, dass die Stadt weit mehr ist als nur Edelsteine – hier werden auch Teamgeist und Bewegung groß geschrieben.

Wichtige Persönlichkeiten aus Idar-Oberstein

Im Laufe der Jahrhunderte haben viele Söhne und Töchter Idar-Obersteins überregional Bekanntheit erlangt. Sie stammen aus ganz unterschiedlichen Bereichen – von der hohen Politik bis zur Popkultur. Ein Überblick über einige der wichtigsten Persönlichkeiten:

  • Politik und öffentliches Leben: Idar-Oberstein hat mehrere Politiker hervorgebracht, die auf Landes- oder Bundesebene wirkten. Peter Caesar (1939–1999) etwa war Justizminister in Rheinland-Pfalz und prägte die Landespolitik in den 1990ern​. Aus der Stadt stammt auch Elke Ferner (*1958), die viele Jahre Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin (u.a. im Bundesfrauenministerium) war​. Bereits im frühen 20. Jahrhundert wirkte Walter Bender (1903–1986) als FDP-Politiker und Landtagsabgeordneter in Rheinland-Pfalz​. Und geht man weiter zurück, findet man sogar eine Verbindung ins Mittelalter: Philipp II. von Daun-Oberstein (1463–1515) – Spross der Obersteiner Grafenfamilie – wurde Erzbischof von Köln und damit einer der mächtigsten Kirchenfürsten seiner Zeit​.
  • Kultur und Unterhaltung: Der berühmteste Sohn der Stadt ist ohne Zweifel der Hollywood-Schauspieler Bruce Willis. Er wurde 1955 in Idar-Oberstein geboren, als sein Vater hier als US-Soldat stationiert war​. Willis, der mit Actionfilmen wie Stirb Langsam Weltruhm erlangte, hält bis heute eine Verbindung zu seiner Geburtsstadt: 2007 ernannte Idar-Oberstein ihn zum offiziellen „Sonderbotschafter“ der Stadt und überreichte ihm symbolisch eine 25 kg schwere Amethystdruse mit Widmung​. Neben Willis hat Idar-Oberstein weitere Kulturschaffende hervorgebracht. So stammt der Schriftsteller Wolfgang Schorlau (*1951), bekannt für seine politischen Kriminalromane um Privatdetektiv Dengler, aus Idar-Oberstein​. Auch der Karikaturist Rolf Henn alias „Luff“ (*1956) und die Mundartsängerin Martin Weller (*1958) seien erwähnt​. Im Bereich Comedy machte Holger Müller (*1969) Karriere – vielen bekannt als „Ausbilder Schmidt“, eine Kunstfigur, mit der er bundesweit auf Tournee geht​.
  • Wissenschaft und Wirtschaft: Aus Idar-Oberstein stammen etliche Gelehrte und Unternehmer. Ein herausragendes Beispiel ist Prof. Rainer Blatt (*1952), ein Physiker von Weltruf​. Blatt ist Experte für Quantenphysik und leitete viele Jahre ein Quantenforschungsinstitut in Innsbruck. Im Bereich Geisteswissenschaften wirkte Anne Begenat-Neuschäfer (1953–2017) als angesehene Romanistin. Daneben sind auch erfolgreiche Unternehmer zu nennen, etwa Jakob Bengel (1872–1947), der die gleichnamige Schmuckfabrik gründete​, oder Fritz Fries (1865–1945), dessen Firma Fritz Fries & Söhne zu einem der größten Karnevalsartikel-Hersteller Deutschlands wurde​. Diese Persönlichkeiten haben entweder durch wissenschaftliche Leistungen, kulturelle Beiträge oder wirtschaftliches Schaffen den Namen Idar-Obersteins in die Welt getragen.
  • Sport: Auch im Sport ist die Stadt, wie im vorherigen Abschnitt geschildert, gut vertreten. Olympiasieger Bernd Cullmann (Gold 1960)​, die Triathletin Joëlle Franzmann (Olympiateilnehmerin 2004)​ und Fußballprofis wie Markus Schupp (Bundesliga-Spieler und -Trainer)​ oder Lennart Grill (Bundesliga-Torwart)​ sind Beispiele dafür. Hinzu kommen Lokalhelden wie der Kickbox-Weltmeister Frank Bongardt​. Ihre Erfolge haben nicht nur sporthistorische Bedeutung, sondern inspirierten auch viele Jugendliche in Idar-Oberstein, aktiv Sport zu treiben.

Natürlich ließe sich die Liste fortsetzen – von historischen Figuren wie der „Räuberbraut“ Juliana Blasius (1781–1851), der Geliebten des legendären Schinderhannes​, bis zu zeitgenössischen Künstlern oder Wissenschaftlern. Die genannten Beispiele verdeutlichen jedoch die Bandbreite: Idar-Oberstein hat im Laufe der Zeit zahlreiche Talente in allen Bereichen hervorgebracht.

Besondere Dokumente, Archiv und Berichterstattung

Die reiche Geschichte Idar-Obersteins spiegelt sich auch in zahlreichen historischen Dokumenten wider, die heute teils im Stadtarchiv, teils in Museen einsehbar sind. So wird im Stadtarchiv etwa die Urkunde aufbewahrt, die Oberstein 1609 zum Hauptort der Achatschleiferzunft erklärte – ein Schriftstück, das den frühen Stellenwert der Edelsteinindustrie dokumentiert​. Auch Chroniken aus vergangenen Jahrhunderten sind überliefert: 1921 erschien beispielsweise eine ausführliche Chronik der Stadt Oberstein, die heute digital verfügbar ist und Einblicke in das Leben vor 100 Jahren bietet​. Darin findet man Berichte über die Blüte der Schmuckindustrie, aber auch über Krisen und Alltagsgeschehen jener Zeit.

In jüngerer Zeit hat Idar-Oberstein immer wieder die überregionale Presse beschäftigt. Der bereits erwähnte Tankstellen-Mord von 2021 wurde von allen großen Medien – von der Tagesschau bis zur Süddeutschen Zeitung – aufgegriffen und analysiert​. Es gab eine breite Berichterstattung über die Hintergründe, den Gerichtsprozess und die Debatte um Radikalisierung im ländlichen Raum. Ein anderes Medienthema war die Person Bruce Willis: Als der Hollywood-Star 2013 seine Geburtsstadt besuchte, war dies der lokalen Presse natürlich Schlagzeilen wert. Zur Deutschlandpremiere von Stirb Langsam 4.0 im Jahr 2007 reisten Vertreter Idar-Obersteins nach Berlin, um Willis den Amethysten als Geschenk zu überreichen – eine kuriose Story, die bundesweit durch die Gazetten ging​.

Das Stadtarchiv Idar-Oberstein bemüht sich aktiv, die historischen Schätze zu bewahren und zugänglich zu machen. Es werden regelmäßig Ausstellungen und Publikationen herausgegeben, die z.B. alte Fotografien, Postkarten oder Urkunden zeigen. Zudem gibt es eine Zusammenarbeit mit dem digitalen Landesarchiv dilibri, wo Interessierte historische Bücher und Zeitungen aus der Region online einsehen können (darunter besagte Obersteiner Chronik von 1921​). Auf diese Weise bleibt die Vergangenheit der Stadt lebendig.

Zu den besonderen Zeitdokumenten zählt auch eine Briefmarke, die 1997 von der Deutschen Post herausgegeben wurde: Anlässlich „500 Jahre Edelsteinregion Idar-Oberstein“ erschien eine Sondermarke, die einen geschliffenen Edelstein zeigt​​. Dieses kleine Stück Philatelie unterstreicht die kulturelle Bedeutung der Edelsteinstadt.

Nicht zuletzt ist die lokale Zeitung, die Nahe-Zeitung (ein Ableger der Rhein-Zeitung), eine Fundgrube für Stadtgeschichte. Sie berichtete über nahezu alle wichtigen Ereignisse der letzten Jahrzehnte, von Sporterfolgen über wirtschaftliche Ansiedlungen bis hin zu Jubiläen der zahlreichen Vereine. Viele ältere Artikel werden heute in Heimatjahrbüchern nachgedruckt oder online archiviert, sodass die Entwicklung Idar-Obersteins auch journalistisch gut dokumentiert ist.

Fazit

Idar-Oberstein präsentiert sich heute als facettenreiche Stadt, die weit mehr zu bieten hat als „nur“ Edelsteine. Ihre Geschichte reicht von keltischen Befestigungen über mittelalterliche Grafen und preußische Beamte bis in die Moderne der Bundesrepublik. Politisch hat sie Umbrüche und Reformen erlebt, wirtschaftlich den Wandel von der traditionellen Achatschleiferei hin zu einer diversifizierten Wirtschaftsstruktur mit Weltfirmen. Kulturell pflegt sie ihre einzigartigen Traditionen – sei es die Felsenkirche, das Spießbraten-Essen oder die Krönung einer Deutschen Edelsteinkönigin (eine alle zwei Jahre aus der Region der Deutschen Edelsteinstraße gewählte Repräsentantin)​. Zugleich ist Idar-Oberstein offen für Neues, wie moderne Festivals, ein breites Bildungsangebot im Edelstein-Design oder High-Tech-Unternehmen am Standort beweisen.

Diese Mischung aus historischem Erbe und lebendiger Gegenwart macht Idar-Oberstein so besonders. Die Stadt am Fuße der Felsenkirche hat sich immer wieder neu erfunden, ohne ihre Wurzeln zu vergessen. Idar-Oberstein fasziniert auf vielfältige Weise. Es ist eine Stadt, deren Vergangenheit in jedem Schmuckstein funkelt und deren Zukunft ebenso vielversprechend glänzt.

Wolfgang Herfurth – April 2025

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