Die Geschichte des FC Brücken (Rheinland-Pfalz)
Gründung und erste Jahre (1928–1945)
Der FC 1928 Brücken wurde im Jahr 1928 im kleinen Ort Brücken (bei Birkenfeld) gegründet. In den Anfangsjahren trat der Verein unter dem Namen SV Brücken an und stellte schnell eine erste Mannschaft auf die Beine. Ein Foto aus dieser Zeit zeigt die Gründungsmannschaft mit Spielern wie Richard Bruch, Kurt Piro, Paul Klein und anderen Pionieren des Vereins. Der junge Klub etablierte sich in den späten 1920er- und 1930er-Jahren als lokale Fußballgröße und nahm an den Wettbewerben im Kreis Birkenfeld teil. Die Vereinsaktivitäten wurden jedoch durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Viele aktive Mitglieder mussten an die Front, und der Spielbetrieb kam gegen Ende der 1930er zum Erliegen.

Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg (1945–1960er)
Bereits kurz nach Kriegsende wurde der Sportbetrieb in Brücken wiederbelebt. Im Herbst 1946 startete der damalige FC Brücken in die erste offizielle Nachkriegssaison und spielte in der Kreisklasse Birkenfeld. Gegner in jener Zeit waren benachbarte Vereine wie der SC Birkenfeld, SV Weiersbach oder SV Gimbweiler. Dieser Neuaufbau war typisch für viele westdeutsche Vereine: Trotz der Entbehrungen des Krieges fanden sich engagierte Mitglieder zusammen, um den Fußball im Ort wieder aufleben zu lassen. In den späten 1940er- und 1950er-Jahren konsolidierte sich der FC Brücken und entwickelte sich zu einem festen Bestandteil des regionalen Fußballs. Größere Titel blieben zwar zunächst aus, aber der Verein legte den Grundstein für seine spätere Erfolgsgeschichte, indem er kontinuierlich am Spielbetrieb teilnahm und neue Mitglieder – insbesondere auch Jugendliche – integrierte.
Neue Impulse und Vereinsleben (1960er–1980er)

In den 1960er-Jahren erweiterte der FC Brücken sein Angebot über den reinen Männerfußball hinaus. 1964 wurde eine Frauengymnastikgruppe ins Leben gerufen, was für die damalige Zeit eine Besonderheit darstellte. Diese Frauen-Turngruppe gilt als „Pioniere des Sports in Brücken“, da sie eine der ersten organisierten Sportgruppen für Frauen in der Region war. Über 60 Jahre blieb diese Gymnastikabteilung aktiv und prägte das Vereinsleben maßgeblich. Ihre Mitglieder trafen sich wöchentlich zu Übungsstunden und traten auch bei Veranstaltungen im Dorf auf.
Auch insgesamt gewann das Vereinsleben in dieser Phase an Bedeutung: Der FC Brücken beteiligte sich an Dorffesten, organisierte eigene Veranstaltungen und wurde zu einem sozialen Treffpunkt im Ort. In den 1970er- und 1980er-Jahren entstanden vereinseigene Einrichtungen. So bekam Brücken einen neuen Sportplatz und ein Vereinsheim – das heutige Sportlerheim in der Apfelbüscherstraße. Die Gemeinde Brücken verfügt seitdem über zwei Sportplätze, einen Hartplatz und einen Rasenplatz, die beide direkt am Sportlerheim liegen. Diese Infrastrukturverbesserungen ermöglichten bessere Trainingsbedingungen und stärkten den Zusammenhalt: Viele Mitglieder halfen in Eigenleistung bei Bau und Pflege der Anlagen mit.
Aufschwung durch Sponsoren und sportliche Erfolge (1990er–2000er)

Ende der 1980er-Jahre erhielt der FC Brücken einen bedeutenden Rückenwind durch Sponsoren. Die ortsansässige Firma Howatherm Klimatechnik stieg als Hauptförderer ein und unterstützt den Verein seither großzügig – inzwischen seit über 30 Jahren. Mit Hilfe dieses Sponsors konnten neue Trikotsätze, Trainingsanzüge und diverse Projekte finanziert werden. Diese finanzielle Stabilität wirkte sich in den 1990er- und 2000er-Jahren positiv auf die sportliche Entwicklung aus. Der Verein investierte verstärkt in die Jugendarbeit und die Trainingsbedingungen. Viele Talente aus Brücken und den umliegenden Dörfern schlossen sich den Jugendteams des FCB an, sodass der Verein bald in allen Altersklassen vertreten war.
Sportlich machte der FC Brücken nun verstärkt auf sich aufmerksam. Nach Jahrzehnten in den unteren Klassen gelang um die Jahrtausendwende erstmals der Aufstieg in die A-Klasse Birkenfeld, was einen großen Erfolg für den Dorfklub bedeutete. In den Folgejahren etablierte sich Brücken in der Spitzengruppe der A-Klasse und strebte sogar den Sprung in die überkreisliche Bezirksliga an. Dieses Ziel wurde schließlich erreicht: Anfang der 2010er-Jahre schaffte die erste Mannschaft des FCB den Sprung in die Bezirksliga Nahe, erstmals in der Vereinsgeschichte. Zwar musste das Team 2012 einen Rückschlag hinnehmen (Abstieg), doch bereits 2013 gelang mit der Meisterschaft in der Bezirksklasse der direkte Wiederaufstieg. Beim entscheidenden 5:3-Auswärtssieg in Hoppstädten feierte Brücken ausgelassen den verdienten Titelgewinn. Diese erfolgreiche Saison markierte den Beginn einer neuen Ära für den FC Brücken.
Etablierung in der Bezirksliga und Vereinsjubiläum (2010er)
Die 2010er-Jahre waren von konstanter sportlicher Stärke geprägt. Elf Jahre lang – von 2013 bis 2024 – hielt sich der FC Brücken ununterbrochen in der Bezirksliga Nahe. In dieser Zeit konnte die Mannschaft einige ihrer größten Erfolge feiern. So belegte Brücken in der Saison 2018/19 einen hervorragenden 4. Platz in der Bezirksliga und machte mit torreichen Kantersiegen von sich reden. Dennoch blieb der große Zuschauerandrang aus – Ortsbürgermeister Karl-Otto Engel (der zugleich Präsident des FCB war) bemängelte 2019 den eher geringen Zulauf und wünschte sich mehr Zuschauerresonanz für die Heimspiele. Das hinderte die treuen Anhänger jedoch nicht daran, ihren Verein mit Leidenschaft zu unterstützen.
2018 feierte der FC Brücken sein 90-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum wurde mit mehreren Events begangen: Im Juli 2018 trat etwa der Oberligist SC Idar-Oberstein zu einem Freundschaftsspiel in Brücken an, gefolgt von einem Open-Air-Konzert. Im November 2018 veranstaltete der Verein einen Festabend im evangelischen Gemeindezentrum, bei dem knapp 100 Vereinsmitglieder zusammenkamen. Höhepunkt dieses Abends war die Kür der „Besten Elf aller Zeiten“ des FC Brücken – eine Ehrung für herausragende Spieler aus neun Jahrzehnten Vereinsgeschichte. Besonders gewürdigt wurde an diesem Abend auch der Hauptsponsor Howatherm, der den Klub seit drei Jahrzehnten unterstützt. Der Vorsitzende Eckhard Schöpfer – zu diesem Zeitpunkt dienstältester Vorsitzender der Vereinshistorie – zeigte sich sichtlich stolz auf die Geschichte und den Zusammenhalt des FCB.
Kurz nach dem Jubiläum stand ein Generationswechsel an der Vereinsspitze an: Im Januar 2019 kündigte Eckhard Schöpfer an, nicht mehr für den Vorsitz zu kandidieren, nachdem er den Verein über viele Jahre geführt hatte. Als Nachfolger wurde sein bisheriger Stellvertreter Karsten Schultheiß gewählt, der das Amt im Sommer 2019 übernahm. Karl-Otto Engel blieb dem Verein als Präsident erhalten und betonte die “gute Führung und Verwaltung” des FCB über die Jahre. Mit dem neuen ersten Vorsitzenden Schultheiß begann der Verein, verstärkt moderne Impulse aufzunehmen.
Vielfalt, Fankultur und soziales Engagement (seit 2020)
In den 2020er-Jahren hat sich der FC Brücken weiterentwickelt – sportlich und gesellschaftlich. Zwar musste die erste Mannschaft im Frühjahr 2024 nach langem Kampf den Abstieg aus der Bezirksliga hinnehmen (zurück in die A-Klasse Birkenfeld), doch im Verein herrscht weiterhin Aufbruchsstimmung. „Wir hatten elf tolle Jahre in der Bezirksliga“, resümierte Vorsitzender Karsten Schultheiß gefasst und betonte, dass die Stimmung im Verein intakt sei. Tatsächlich befindet sich der FC Brücken jenseits des reinen Spielklasse-Erfolgs im Aufwind: Die Mitgliederzahl ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen und liegt inzwischen bei über 500– damit gehört der FCB zu den mitgliedsstärksten Vereinen der Verbandsgemeinde Birkenfeld.
Ein Grund für diesen Zulauf ist die bewusste Verbreiterung des Sportangebots. Im Jahr 2023 gründete der Verein zwei neue Abteilungen: Taekwondo und Cornhole. Mit diesen Trendsportarten spricht der FCB neue Zielgruppen an und hat sein Angebot erfolgreich diversifiziert. Allein dadurch gewann der Klub viele neue Mitglieder hinzu. Zugleich verabschiedete sich der Verein 2024 von seiner traditionsreichen Frauengymnastikgruppe, die mangels Nachwuchs nach 60 Jahren aufgelöst wurde. Dieser Wechsel der Sportangebote zeigt den Wandel der Interessen – der FC Brücken jedoch schafft es, sowohl Tradition als auch Moderne unter seinem Dach zu vereinen. So trainierten die Gymnastik-Pionierinnen ihr letztes Jahr 2024 sogar gemeinsam mit dem DOSB-Vorsitzenden Torsten Burmester, der anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Gruppe dem Verein einen Besuch abstattete.
Überregional machte der FC Brücken in jüngerer Zeit durch gesellschaftliches Engagement von sich reden. Seit 2022 stellt der Verein sein Sportlerheim regelmäßig für Geflüchtete aus der Ukraine zur Verfügung. Was mit einer einfachen Anfrage begann, hat sich zu einem zentralen Begegnungstreff im Birkenfelder Land entwickelt: Jeden zweiten Samstag frühstücken ukrainische Frauen im Vereinsheim – ein Stück neue Heimat in der Fremde. Der Vereinsvorstand stand diesem Anliegen von Anfang an offen gegenüber und unterstützte die Initiative im Rahmen des Projekts „Demokratie Leben“ tatkräftig. Dieses Beispiel unterstreicht die gesellschaftliche Bedeutung des FC Brücken als Ort der Integration und Gemeinschaft.
Sogar der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Torsten Burmester, wurde auf den FC Brücken aufmerksam. Im Mai 2024 besuchte Burmester den kleinen Verein und verbrachte einen ganzen Tag auf der Sportanlage, um mit den Verantwortlichen über die Herausforderungen kleiner Vereine, Bürokratie im Ehrenamt, Integrationsarbeit und Trendsportarten zu sprechen. Auslöser des Kontakts war eine Beschwerde von Karsten Schultheiß gewesen, der sich beim DOSB über unnötig komplizierte Förderverfahren beklagt hatte – prompt kam die Einladung zustande. Burmester würdigte bei seinem Besuch das außergewöhnliche Engagement des FC Brücken und spielte mit Vereinsvertretern sogar eine Runde Cornhole. Diese hochrangige Visite ist ein Beleg dafür, dass der FCB trotz seiner dörflichen Struktur als Vorzeigeklub im Breitensport wahrgenommen wird.
Auch in Sachen Vereinskultur hat der FC Brücken einiges vorzuweisen. Der Verein gibt regelmäßig eine eigene Zeitschrift heraus, den „Sport-Monitor“, der bereits mehrfach landesweit ausgezeichnet wurde. Bei einem Wettbewerb des Landessportbundes Rheinland-Pfalz für die beste Vereinszeitschrift erreichte der Sport-Monitor in der Kategorie großer Vereine Platz 8 (2017) und wurde zuvor in der Kategorie kleiner Vereine zweimal unter den Top 5 platziert. Solche Erfolge in der Außendarstellung zeigen den hohen Einsatz ehrenamtlicher Redakteure und die professionelle Struktur des Clubs.
Die Fankultur in Brücken ist – gemessen an der Einwohnerzahl – bemerkenswert. Der Verein hat eine treue Anhängerschaft, die sich selbstbewusst gibt. In den sozialen Medien bezeichnen Fans den FCB augenzwinkernd als „geilsten Club der Welt“ und als „Fußballmacht im Trauntal“. Tatsächlich ist der FC Brücken im Tal der Traun einer der erfolgreichsten Vereine und hat lokal einen gewissen Kultstatus. Die Spiele – ob auf dem roten Hartplatz oder dem Grünen Rasen nebenan – sind Treffpunkt für Jung und Alt. Dennoch hofft der Verein, wie vom langjährigen Ortsbürgermeister Engel angeregt, noch mehr Zuschauer für die Heimspiele zu gewinnen um die tolle Atmosphäre weiter zu beleben.
Heute steht der FC 1928 Brücken für Tradition und Wandel zugleich.
Der Club kann auf nahezu ein Jahrhundert Fußballgeschichte zurückblicken – mit Höhen (zahlreiche Titel in der Kreisliga, mehrere Hallenkreismeisterschaften im Futsal und der langjährige Bezirksliga-Verbleib) und Tiefen (Kriegsunterbrechung, Abstiege) –, hat sich aber auch stetig weiterentwickelt. Neben dem Platz hat er sich als gesellschaftlicher Akteur etabliert, ob bei der Integration Geflüchteter oder der Bereicherung des Sportangebots in der Region. Mit Blick auf das kommende 100-jährige Jubiläum im Jahr 2028 arbeitet der FC Brücken daran, seine Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. Die Mischung aus sportlichem Ehrgeiz, ehrenamtlichem Engagement und lokalem Zusammenhalt lässt darauf hoffen, dass der „Fußballmacht im Trauntal“ auch in Zukunft zahlreiche Kapitel hinzugefügt werden.



Der FC Brücken von 1928 e.V. zählt zu den erfolgreichsten Sportvereinen in der Verbandsgemeinde Birkenfeld und feierte 2018 sein 90-jähriges Bestehen mit einem umfangreichen Festprogramm. Über ein Jahrzehnt spielte die erste Mannschaft in der Bezirksliga Nahe, ehe 2024 nach elf Jahren der Abstieg erfolgte – ein Wechsel an der Vereinsführung hatte bereits 2019 stattgefunden, als der langjährige Vorsitzende Eckhard Schöpfer sein Amt an Karsten Schultheiß übergab. Neben dem Sport engagiert sich der FC Brücken stark im sozialen Bereich: So entwickelte sich das Vereinsheim ab 2022 zu einem wichtigen Treffpunkt für aus der Ukraine geflüchtete Menschen, was sogar den DOSB-Vorsitzenden zu einem Besuch veranlasste. Das Vereinsleben in Brücken ist vielfältig – von der 1964 gegründeten Frauengymnastikgruppe, die über Jahrzehnte als Pionier fungierte, bis hin zu neuen Abteilungen wie Taekwondo und Cornhole (seit 2023) – und die Anhänger tragen mit stolzgeschwellter Brust den inoffiziellen Titel „Fußballmacht im Trauntal“. Mit über 500 Mitgliedern und einer eigenen preisgekrönten Vereinszeitschrift („Sport-Monitor“) gehört der FC Brücken heute zu den größten Vereinen der Region und blickt optimistisch auf sein baldiges 100-jähriges Jubiläum.
Wolfgang Herfurth – Mai 2025