Peter Nauert – Ein Porträt eines Birkenfelder Stadtbürgermeister und Vereinsmenschen

Einleitung
Peter Nauert ist ein echtes Urgestein der Stadt Birkenfeld (Nahe) in Rheinland-Pfalz. Über Jahrzehnte hinweg prägte er als Kommunalpolitiker und Vereinsvorsitzender das Leben in der Kreisstadt. Als langjähriger Stadtbürgermeister (2000–2014) und als Vorsitzender sowie Ehrenvorsitzender des Turnvereins Birkenfeld 1848 e.V. (TV Birkenfeld) hat Nauert tiefe Spuren hinterlassen. Dieses Porträt zeichnet seinen Werdegang nach – von den Anfängen in Politik und Ehrenamt bis zu seinen Verdiensten um Stadt und Verein – und beleuchtet Biografisches sowie Würdigungen seines Wirkens.
Politischer Werdegang als Bürgermeister
Peter Nauert, geboren am 8. Dezember 1941 in Birkenfeld, trat 1974 während seiner Laufbahn als Beamter (zuletzt im Range eines Oberamtsrates) in die Kommunalpolitik ein. Er engagierte sich zunächst im Stadtrat, später auch im Verbandsgemeinderat und Kreistag , bevor er im Jahr 2000 zum ehrenamtlichen Stadtbürgermeister von Birkenfeld gewählt wurde. Vorher war er bereits acht Jahre Fraktionsvorsitzender im Stadtrat und von 1994 bis 2000 Erster Beigeordneter. Dabei schrieb er Geschichte: Nauert war der erste direkt von den Bürgern gewählte Bürgermeister der Stadt – zuvor waren die Stadtchefs hauptamtlich und wurden seit 1971 in Personalunion mit der Verbandsgemeinde bestimmt. Er kandidierte für die CDU und löste seinen Vorgänger Manfred Dreier (SPD) nach dessen Amtszeit 1990 -2000 ab.
In seinem Amt wurde Nauert zweimal wiedergewählt und leitete 14 Jahre lang die Geschicke Birkenfelds. Nachdem er bereits 2001 die Landesehrennadel erhalten hatte, wurde ihm als verdientem Kommunalpolitiker im Jahr 2013 die Freiherr-vom-Stein-Plakette vom Innenminister verliehen – eine hohe Auszeichnung für langjährige ehrenamtliche Verdienste in der Kommunalpolitik. Nauert verzichtete 2014 auf eine erneute Kandidatur und wurde am 1. Juli 2014 im Alter von 73 Jahren feierlich in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger Miroslaw Kowalski (CDU) würdigte Nauerts Leistung, wusste aber zugleich um das gewichtige Erbe, das er übernehmen würde.
Verdienste und Engagement für die Stadt Birkenfeld

Als Stadtbürgermeister hat Peter Nauert zahlreiche Projekte angestoßen und umgesetzt, die Birkenfeld nachhaltig geprägt haben. Ein zentrales Vorhaben war die Modernisierung der Jahnturnhalle zur Stadthalle: Bereits als TVB-Vorsitzender initiierte Nauert in den 1990er-Jahren gemeinsam mit der Stadt den Ausbau der historischen Turnhalle zu einer modernen Mehrzweckhalle. In seiner Amtszeit als Bürgermeister konnte er dieses Projekt vollenden. Die sanierte Stadthalle Birkenfeld (Jahnturnhalle) dient seither als Herzstück des kulturellen Lebens in Birkenfeld und Austragungsort zahlreicher Veranstaltungen.
Im Mai 2014 setzte sich Nauert persönlich für ein inklusives Wohnprojekt für Menschen mit Behinderung ein. Bei einem symbolischen Spatenstich für eine Tageswohnungseinrichtung der Kreuznacher Diakonie in Birkenfeld ermutigte er die Bevölkerung, die neuen Bewohner offen aufzunehmen, und sagte städtische Unterstützung zu. Dieses Projekt mit 24 Wohnplätzen, das Nauert bis zum Ende seiner Amtszeit begleitete, steht ganz im Zeichen der Inklusion und verdeutlicht seinen Einsatz für ein vielfältiges Miteinander in der Kommune.
Nauert förderte zudem die Stadtentwicklung und Jugendbindung. Unter seiner Regie wurde Birkenfelds Attraktivität für junge Menschen und Studierende untersucht, insbesondere im Hinblick auf den Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier vor den Toren der Stadt. Er erkannte früh, dass der Campus auch 15 Jahre nach Gründung noch ein „Satellitendasein“ fristete, und initiierte 2012 gemeinsam mit der Hochschule eine Marktforschungsstudie, um junge Erwachsene stärker ins Stadtleben einzubeziehen. Aus dieser Studie resultierten konkrete Maßnahmen: So verbesserte die Stadt ihr Freizeitangebot, entwickelte eine modernere Öffentlichkeitsarbeit (u.a. verstärkte Präsenz in sozialen Medien) und setzte auf eine bessere ÖPNV-Anbindung, um Studierende und Schüler für Birkenfeld zu begeistern. Dieses zukunftsorientierte Handeln zeigt Nauerts Verständnis für die Bedürfnisse der nächsten Generation.
Auch kulturell hinterließ Nauert bleibenden Eindruck. Er war Initiator der Städtepartnerschaft mit Audun-le-Tiche in Lothringen (Frankreich), die 2010 offiziell besiegelt wurde. Regelmäßig pflegte er den Austausch mit der französischen Partnerstadt und förderte damit die Völkerverständigung auf lokaler Ebene. Außerdem führte er als Stadtbürgermeister erstmals Kultur- und Sportförderrichtlinien ein, so dass die betroffenen Vereine für ihre wertvolle Jugendarbeit und für Anschaffungen und bauliche Maßnahmen finanziell unterstützt werden konnten. Ein Novum war auch die anfangs jährliche Verleihung des Kulturförderpreises zur Ehrung verdienter Persönlichkeiten oder Organisationen – etwa 2007 an den Heimathistoriker Hans Peter Brandt im Rahmen der 675-Jahr-Feier der Stadt. Dieser Preis wurde zuletzt in längeren Abständen verliehen. Mit diesen Neuerungen kam Nauerts Wertschätzung für ehrenamtliches und kulturelles Engagement in derBürgerschaft zum Ausdruck.

Sept. 2002, Einweihung des Schellenmannes im Zuge der Stadtsanierung
Professor Eberhard Linke (Künstler), Stadtbürgermeister Nauert
In der Summe verkörperte Peter Nauert den Idealtypus eines Kleinstadt-Bürgermeisters, der kompetenter Fachmann und volksnaher „Kümmerer“ in einer Person war. Er scheute sich nicht, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen, wenn sie dem Gemeinwohl dienten – wie etwa notwendige infrastrukturelle Maßnahmen (Straßensanierungen oder das Fällen kranker alter Bäume) während seiner Amtszeit zeigen. Bei seinem Abschied zollten ihm Bürger und Ratsmitglieder großen Respekt: In einer voll besetzten Stadthalle erhoben sich rund 250 Gäste zu stehenden Ovationen, als Nauert seinen letzten Amtsbericht mit den Worten „Meine Zeit ist nun beendet!“ schloss. Diese Geste unterstreicht den hohen Stellenwert, den er sich in der Bevölkerung erarbeitet hatte.

Abschiedsrede am 1.7.2014 in der Stadthalle
Vorsitz im Turnverein Birkenfeld (TVB) und Ehrenamt
Neben der Politik ist Peter Nauerts Name eng mit dem Turnverein Birkenfeld 1848 e.V. (TVB) verbunden – einem der größten und ältesten Sportvereine der Region. Bereits 1969 trat Nauert in den Verein ein. Von 1991 bis 2001 übernahm er den 1. Vorsitz und führte den TVB ein Jahrzehnt lang mit großem Erfolg. In seine Amtszeit als Vereinschef fielen richtungsweisende Weichenstellungen:
Infrastruktur und Sportstätten: Nauert trieb den Verkauf des abgängigen vereinseigenen Jahnsportplatzes voran, um finanzielle Mittel für die dringend nötige Generalsanierung der Jahnturnhalle zu gewinnen. Unter seiner Führung wurde die alte Turnhalle umfassend erneuert und modernisiert Die Finanzierung des aufwändigen Umbaues erfolgte mit Geldern des Vereines, der Stadt und aus dem Investitionsstock des Landes.
Die Einweihung der sanierten Jahnturnhalle im März 2002 war ein Höhepunkt und zugleich der Moment, in dem Nauert für seine Verdienste zum Ehrenvorsitzenden des TV Birkenfeld ernannt wurde.


Sportangebot und Wachstum:
Als Vorsitzender erweiterte Nauert konsequent das Sport- und Kursangebot des Vereins, insbesondere im Bereich Turnen und Breitensport. Dies führte zu einem Mitgliederanstieg auf über 1.000 – eine historische Marke, die der TVB damals erstmals überschritt. Mit dieser Mitgliederzahl zählt der Turnverein Birkenfeld zu den mitgliederstärksten Vereinen im Landkreis. Nauert legte damit den Grundstein dafür, dass der TVB bis heute als Breitensportverein mit vielfältigen Abteilungen (vom Kinderturnen bis zum Seniorensport) erfolgreich ist. Heute zählt der TVB mit ca. 1600 Mitgliedern zu den größten Vereinen im Landkreis.
Vereinsjubiläen und Traditionspflege:
Unter Nauerts Regie feierte der TVB im Jahr 1998 sein 150-jähriges Bestehen in würdigem Rahmen. Er organisierte ein festliches Jubiläumsprogramm, das ehemalige und aktuelle Mitglieder zusammenbrachte und die lange Geschichte des 1848 gegründeten Turnvereins lebendig werden ließ. Noch Jahrzehnte später – etwa beim 175-jährigen Jubiläum 2023 – wurde an diese Feier erinnert, und Nauert nahm als Ehrenvorsitzender mit Stolz daran teil.
Nauerts Engagement für den Sport wurde auch über den Verein hinaus sichtbar. So setzte er sich für Kooperationen mit Schulen ein, förderte den Jugendsport und unterstützte regionale Sportveranstaltungen. Für seine Verdienste um den Sport und das Vereinsleben wurde er vom TVB zum Ehrenvorsitzenden ernannt und vom Sportbund sowie der Stadt mit Dankesworten und Urkunden gewürdigt. In der Ehrenmitgliederliste des TV Birkenfeld steht sein Name an prominenter Stelle.
Bis heute begleitet Peter Nauert „seinen“ Turnverein beratend und als Repräsentant. Er lässt es sich nicht nehmen, an wichtigen Vereinsveranstaltungen teilzunehmen oder Grußworte zu Jubiläen zu verfassen – so geschehen in der Festschrift zum 175-jährigen Jubiläum 2023. Sein Lebensmotto, so könnte man meinen, lautet: Einmal Turner, immer Turner.
Familie, Beruf und weitere Ehrenämter
Abseits von Rathaus und Turnhalle ist Peter Nauert fest in Birkenfeld verwurzelt. Beruflich war er Beamter in der Verwaltung und ging als Oberamtsrat in den Ruhestand. Diese Verwaltungserfahrung kam ihm in seiner Zeit als ehrenamtlicher Stadtbürgermeister zugute, da er Verwaltungsprozesse kannte und effektiv gestalten konnte.


Nauert ist verheiratet und Familienmensch. Sein Sohn Achim Nauert trat in Birkenfeld ebenfalls in Erscheinung: Achim, Jahrgang 1982, übernahm 2018 die traditionsreiche Hirsch-Apotheke in der Birkenfelder Hauptstraße und ist damit Inhaber der ältesten Apotheke im Kreis. Vater Peter verfolgte diesen Übergang mit Freude – zumal damit eine weitere Generation der Familie Nauert Verantwortung in der Heimatstadt trägt. Über seine Familie hinaus pflegt Nauert ein großes Netzwerk an Freunden und Weggefährten, das er sich in Jahrzehnten kommunalen und gesellschaftlichen Engagements aufgebaut hat.
Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Bürgermeisteramt bleibt Peter Nauert der Stadt und Region eng verbunden. Er engagiert sich weiterhin ehrenamtlich, etwa im Städtepartnerschaftskomitee Birkenfeld-Audun oder in kulturellen Projekten. . So organisiert er gelegentlich für den Verein für Heimatkunde, dessen stellvertretender Vorsitzender er von 2014 – 2022 war, Informationsfahrten zu historischen Stätten und Ausstellungen in der Region – Anmeldungen nimmt er dann auch gern persönlich entgegen
Würdigung und Vermächtnis
Peter Nauerts Lebensleistung wird in Birkenfeld hoch geschätzt. Die Kombination aus politischem Wirken und Vereinsarbeit macht ihn zu einer herausragenden Persönlichkeit der Stadt. Bürgernähe, Tatkraft und Heimatverbundenheit – diese Eigenschaften werden immer wieder mit seinem Namen in Verbindung gebracht. Die lokale Presse bezeichnete ihn als „Idealtypus des Stadtbürgermeisters einer Kleinstadt“, der zugleich Sachverstand und Herz für die Anliegen der Bürger besitzt. In den Jahren seiner Amtsführung hat Birkenfeld wichtige Fortschritte gemacht, sei es durch verbesserte Infrastruktur, neue Partnerschaften oder ein belebtes Vereinswesen.
Sein Vermächtnis zeigt sich konkret durch ein verbessertes Erscheinungsbild der Stadt infolge einer konsequent betriebenen Stadtsanierung und -erneuerung sowie an vielen Orten: Die Stadthalle, die heute kultureller Mittelpunkt ist, trägt seine Handschrift. Der Turnverein, der Generationen von Birkenfeldern sportlich verbindet, verdankt ihm ein stabiles Fundament für die Zukunft. Und nicht zuletzt lebt sein Geist in der politischen Kultur der Stadt fort – nämlich in der Überzeugung, dass Ehrenamt und Kommunalpolitik Hand in Hand viel bewegen können. Als großen Erfolg für die Stadt bezeichnet Nauert die Übernahme des als Exitenzgründerzentrum gebauten BIG-Centers im Wege der Zwangsvollstreckung. Hier seien äußerst schwierige Verhandlungen, auch mit der Kommunalaufsicht, zu führen gewesen. Die Gewerbeimmobilie ist heute im Wesentlichen ein Gesundheitszentrum und nahezu ausgebucht.Als herben Rückschlag für Birkenfeld bezeichnet Nauert den Abzug der Luftwaffe und den damit verbundenen Verlust der Garnison im Jahr 2014.

Febr. 2001, Gespräch über Standortfragen II. Luftw.-Division – Beigeordneter Kandels, Stadtbürgermeister Nauert, Generalmajor Kurth, Presseoffizier
Heute, mit über 80 Jahren, genießt Peter Nauert seinen wohlverdienten Ruhestand in Birkenfeld, ist jedoch weiterhin aktiv – sei es bei Festakten, bei denen er als Ehrengast geehrt wird, oder durch den herzlichen Gruß auf der Straße. Er bleibt ein geschätzter Ansprechpartner, Ratgeber und Ehrenbürger im besten Sinne. Die Gemeinschaft dankt ihm auf vielfältige Weise: durch offizielle Ehrungen genauso wie im persönlichen Miteinander. Mit seinem Lebenswerk hat Peter Nauert eindrucksvoll bewiesen, wie Leidenschaft für die Heimat und unermüdlicher Einsatz das Gesicht einer Stadt nachhaltig prägen können.
Dieses Porträt basiert auf Informationen aus lokalen Zeitungsarchiven, Vereinschroniken und offiziellen Mitteilungen. Es wurde unter Mitwirkung von Peter Nauert selbst erstellt und zeichnet ein Bild von ihm als engagierten Kommunalmann und Vereinsvorsitzenden, der mit Tatkraft und Herzblut seine Heimatgemeinde Birkenfeld nachhaltig geprägt hat. Seine persönlichen Einblicke und Ergänzungen verleihen dem Porträt eine besondere Authentizität und machen deutlich, wie stark sein Wirken mit der Entwicklung des örtlichen Gemeinschaftslebens verbunden ist.
Wolfgang Herfurth-Juni 2025